In die Welt gestellt. Dreiteiliges Seminar in Jülich am 29.0.8.; 12.09.; 19.09.2019
Ende des 20. Jahrhunderts und zum Beginn des 21. Jahrhunderts mehrten sich in den westli-chen Gesellschaften die politischen Stimmen, die das Leben des Menschen vor allem als Grundbedingung einer vor allem ökonomisch aufgefassten Lebensführung begriffen. Die ethische Seite der Lebensführung blieb in dieser Perspektive weitgehend unterbelichtet. So wurde aus dem Wissen um das „In-der-Welt-sein“ des Menschen eine Forderung des „Auf-sich-gestellt-seins“. Die philosophischen, sozialen und politischen Konsequenzen dieser Entwick-lung werden in diesem Veranstaltung erörtert werden.
Im Mittelpunkt des Seminars stehen Auszüge aus diesen Texten:

1. Byung-Chul Han (*1959) Müdigkeitsgesellschaft; Berlin 2010.
Für den Autor steht fest: Die Zeit der optimistisch gestimmten Gesellschaftsveränderungen ist vorbei. Jetzt ist die permanente Selbstoptimierung das Ziel der Individuen. Diese Anstrengungen führen aber oft genug zu Überforderung und Erkrankungen. Ihre Auswirkungen führen auch zu einer Veränderung unserer Lebenswelt und führen so in die Müdigkeitsgesellschaft.

2. Ulrich Bröckling (*1959): Das unternehmerische Selbst; Frankfurt a. M. 2007.
Vor knapp einem Jahrzehnt erging von Seiten einiger politischer Parteien der Aufruf an die Bürger, sich als
Unternehmer zu begreifen und dementsprechend zu agieren. In allen Lebenslagen solle man sich
risikobewusst, flexibel und kreativ erweisen. Jeder solle zum Unternehmer sein selbst werden. In diesem
Text verweist der Autor auf die Ambivalenz, die mit dieser Forderung verbunden, aber selten wahr-
genommen wird.

3. Ingo Niermann (*1969): Minusvisionen. Unternehmer ohne Geld; Frankfurt a. M. 2003.
In diesem Buch werden Menschen porträtiert, die eines oder mehrere Unternehmen „hinter sich haben“. Der Autor u.a. die These zu belegen, dass theoretisch formulierte  Lebensentwür-fe durchaus unmittelbar Konsequenzen für die eigene Biografie haben. Gerade dann, wenn die Porträtierten über Freiheitsverlust und mangelnde Handlungsmöglichkeiten berichten.         
In der Diskussion dieser Texte werden die geistesgeschichtlichen sowie theoretischen Voraussetzungen ihrer Argumentation dargestellt und die Stichhaltigkeit der verschiedenen Denkan-sätze untersucht und diskutiert.
Ort:  Peter-Beier-Haus, Aachener Straße 13 a,         
    52428 Jülich
Zeit: 18.00 Uhr – 20.15 Uhr
Gebühr: 15,00 € plus 2,00 € Kopiergebühr
Anmeldung:  EEB, Tel. 02461 9966-0 oder eeb@kkrjuelich.de

    
 

Markus Melchers
Nordstraße 44
53111 Bonn
Tel.: 0228/632445

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