Leben und Denken reflektieren, interpretieren und diskutieren 17.07.2019
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Der Philosoph kommt auf Wunsch ins Haus, Express (BN) vom 28.03.1998

Unmengen an Büchern hat Markus Melchers schon gelesen - jetzt nennt er auf Wunsch Literatur zu jedem Thema, liefert den Sinn des   Lebens frei Haus. Der Philosoph kommt auf Wunsch ins Haus 34jähriger liefert "Sinn auf Rädern" Von MILDRED KLAUS  

Bonn - Er hat kein Auto, dafür endlose Regale voller Bücher. Wenn Markus Melchers (34) sich an jedem Morgen auf sein Fahrrad schwingt, liefert er Sternstunden der Philosophie frei Haus. Auf Wunsch stattet er "philosophische Hausbesuche" ab - bringt "Sinn auf Rädern". Er spricht mit seinen Klienten über den Sinn des Lebens, die Gültigkeit von Werten, über Wahrheit und Unwahrheit. Und der Philosoph ist gefragt wie nie. Manager, Mathematikstudenten und Sekretärinnen nehmen den Denkhilfe-Service in Anspruch. Worüber wird ein Hausphilosoph am häufigsten befragt? "Die Menschen wollen alles mögliche wissen - die Themen sind völlig unterschiedlich, es gibt keine eindeutigen Trends", berichtet Markus Melchers aus seiner Erfahrung.

Alltägliches und Lebenswichtiges wird bei "philosophischen Hausbesuchen" besprochen.  Ein Mathematiker wollte wissen, ob und wie die Philosophie auf Erkenntnisse der Naturwissenschaften reagiert. Ein älteres Ehepaar machte sich Sorgen, daß es seinen Nachwuchs nicht mehr zeitgemäß erziehen könnte - und holte von Markus Melchers philoso-phische Standpunkte über die Gültigkeit von Werten ein. Manchmal scheinen die Grenzen von ernstgemeinten zu Scherzfragen fließend: Mit "Muß ich jeden Tag pünktlich zur Arbeit kommen - und wenn ja, warum?" kann man Markus Melchers nicht aus der Fassung bringen, sondern mit ihm ein Gespräch über "die Verbindlichkeit von Handlungen" anregen. Auffällig nennt der Philosoph nur, daß erfolgsverwöhnte Menschen häufig nach der Richtigkeit ihrer Wahrnehmungen fragen. "Woher weiß ich, daß die Dinge sind, wie ich sie sehe?", komme meistens von Managern.

Was unterscheidet die Arbeit des Philosophen von der des Psychologen? Der klare Unterschied sei, daß der Philosoph keine psychisch Kranken heile, betont Melchers. Vielmehr möchte er seinen gleichgestellten Gesprächspartnern Antworten auf ihre Frage oder neue Denkanstöße geben - mehr nicht. Aber das scheint bei den Leuten anzukommen - über Mangel an Nachfrage kann der Spontan-Philosoph nämlich nicht klagen.

Eins liegt Markus Melchers bei seiner Arbeit besonders am Herzen: Der Spaß am Gespräch ist wichtiger als das intellektuelle "Abheben". Philosophie muß Spaß machen, lautet seine Devise. So empfiehlt er seinen Klienten nicht nur Fachbücher, sondern auch mal Romane als Lektüre.

Als nächstes möchte Markus Melchers in Bonn ein "philosophisches Café" gründen. In anderen Städten schießen die schon wie Pilze aus dem Boden, 31 gibt es inzwischen in Deutschland. 

      © Sinn auf Rädern/BelKom