Leben und Denken reflektieren, interpretieren und diskutieren 20.09.2017
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Von Zufall, Glaube und harter Arbeit; Westfälische Rundschau vom 17.03.2011

Eslohe. Was ist Glück? Für alle, die sich die Frage schon gestellt haben, gibt es am heutigen Donnerstag, 17. März, von 19 bis 21 Uhr im Café Kaptain die Möglichkeit, sie zu beantworten. Der Kunstverein pro forma in Eslohe lädt zum Philosophischen Café. Moderiert wird die Diskussionsrunde von Markus Melchers, philosophischer Praktiker aus Bonn. Im Interview stellt er Aspekte, die in der Diskussion aufkommen können dar, und gibt einen Einblick, wie umfangreich die Auseinandersetzung mit dem Glück sein kann.

Frage: Glück empfindet jeder anders. Was für Glücksformen lassen sic h voneinander unterscheiden?

Markus Melchers: Oftmals wird gedacht, dass es nur eine Form des Glücks gibt, da viele Menschen selbst nur eine Art dessen fühlen oder kennen. Es lassen sich aber mehrere Definitionen für das Glück finden. Zum einen wäre das Zufallsglück zu nennen. Man erfährt es, ohne eine große eigene Leistung zu erbringen. Ein Lottogewinn kann etwa für Zufallsglück stehen. Dann ist jedem die Redewendung „Jeder ist seines Glückes Schmied“ bekannt. Dies ist eine andere Form, Glück zu erreichen. Hier muss man jedoch an sich arbeiten und teilweise einen hohen Einsatz bringen, um glücklich zu sein. Dann lässt sich noch das Augenblicksglück abgrenzen.

Frage: Woran liegt es, dass manche Menschen das Glück nicht erkennen, wenn es vor ihnen steht und andere immerzu Glück zu haben scheinen?

Melchers: Glück ist immer eine Sache, die von einem selbst ausgeht. Manche Menschen müssen die Glücksfähigkeit erst lernen. Das Glück ist hier nicht nur abhängig von äußeren Faktoren, wie einer glücklichen Familie oder Erfolg im Erwerbsleben, sondern stark abhängig vom inneren Glück. Betrachtet man das Glück mal in einer ernsteren Ausrichtung, stellt sich ja auch die Frage, wie schwer kranke Menschen zum Beispiel Glück empfinden können. Hier ist das Augenblicksglück stark verankert oder auch die Besinnung auf das eigene Leben, das glücklich machen kann.

Frage: Ist Glück teilbar?

Melchers: Menschen sind Empathen und daher ist Glück auch teilbar. Natürlich kann man nachempfinden, was ein anderer fühlt, wenn er glücklich ist. Dies besitzt aber nicht dieselbe Intensität, wie das Glücksempfinden. Man muss hier zwischen Beobachter und dem Betroffenen unterscheiden sowie zwischen Glücksgefühlen und dem guten Gefühl. Ein gutes Gefühl hat man zum Beispiel, wenn man vor einer Prüfung steht, hierfür viel gelernt hat und besteht. Ein Glücksgefühl hingegen entwickelt man, wenn man für eben diese Prüfung nicht gelernt hat und sie dennoch besteht. Ähnlich ist es beim Nachempfinden vom Glück anderer.    

Frage: Was ist das größte  zu ereichende Glück aus philosophischer Sicht und was für Ansätze gibt es, das zu erreichen?

Melchers: In vielen Staaten und Gesellschaften gilt das größte Glück als das Glück der größten Zahl. Dies ist schwer zu bezeichnen, denn wer entscheidet, was gut oder schlecht für das Erreichen von Glück ist? Die Ansätze in der Philosophie sind unterschiedlich. Zum einen gibt es den Versuch, Glück und Lebensführung zusammen zu denken. Des Weiteren findet man die Verbindung zwischen Glück und Glaube. Und zu guter Letzt den Ansatz, dass Glück hergestellt werden muss.

Frage: Viel Menschen besitzen Glücksbringer. Wenn das Glück von inneren und äußeren Umständen abhängig ist, wie kann ein Talisman helfen?

Melchers: Ein Talisman stellt einen religiösen Gegenstand dar und steht für die Bindung an etwas anderes. In den Gegenständen, die als Talisman oder Glücksbringer bezeichnet werden, wohnt durch diese Bindung ein Zauber inne. Es ist der Versuch, die Realität zu binden bzw. der Versuch, über ein Medium Realität zu erzwingen. Der Zufall soll gebannt werden und dieser ist ja eine Erscheinungsform des Glücks.

Mit Markus Melchers sprach Ramona Schmücker  

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