Leben und Denken reflektieren, interpretieren und diskutieren 24.11.2017
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Selbsterkenntnis – aber wie?; Rheinzeitung (Koblenz) vom 26.03.2011

Mitdenken Gäste im Philosophischen Salon diskutieren

Hachenburg. Der siebte Philosophische Salon im Neue Galerie Café befasste sich mit dem Thema Selbsterkenntnis. Wie üblich begann Moderator Markus Melchers mit drei Zitaten.

Der Forderung „Erkenne dich selbst“ vom Apollontempel zu Delphi  folgten Merksätze von Goethe und Hebbel. Kaum hatte Melchers diese knappen Denksprüche vorgetragen, meldete sich auch schon der erste Teilnehmer des gut besuchten Salons.

Wie ist der Tempelspruch zu verstehen? Wird Selbsterkenntnis erworben und gelernt? Und wenn ja, wer unterrichtet das „Fach“ Selbsterkenntnis? Oder ist die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis angeboren? Diese und andere Fragen wurden im ersten Durchgang unmittelbar aus der eigenen Lebenserfahrung der Teilnehmer gestellt und beantwortet. Während der zweistündigen Diskussion kamen unterschiedliche Standpunkte zur Sprache.

Einige Diskutanten vertraten die Auffassung, dass die Selbsterkenntnis mit dem der Sinn des Lebens identisch sei. Oder hatten diejenigen Debattenredner Recht, die die These vertraten, dass die Selbsterkenntnis zur Lebensführung gar nicht erforderlich ist – außer in Krisen- und Entscheidungs-situationen? Wieder andere vertraten die Auffassung, dass Selbsterkenntnis ein Hilfsmittel unter anderen ist.

Mit Bezug auf die Denkgeschichte warf Markus Melchers (Bonn) die Fragen auf, wie man denn wisse, dass das, was man erkannt zu haben glaubt richtig sei? Was ist oder soll das Ergebnis der Selbsterkenntnis sein? Und: In welchem Zusammenhang steht Selbsterkenntis zur Selbsttäuschung?

Auch hier wurden verschiedene Positionen vertreten. Einerseits stehe fest, dass eine wenig selbstkritische Haltung ganz besonders die Gefahr der Selbsttäuschung in sich berge. Andererseits aber fand die Vorstellung, dass ein hohes Maß an Selbstzufriedenheit sogar ein Indiz für eine besonders gelungene Selbsterkenntnis sei, kaum Zustimmung.

Im dritten Anlauf zum Thema wurde die soziale Dimension diskutiert. Braucht man ein Gegenüber, das die eigene Selbsteinschätzung bestätigt oder ihr widerspricht und diese „notfalls“ korrigiert? Oder ist Selbsterkenntnis nur im stillen Kämmerlein möglich?

Wenn auch die zwei Stunden keine endgültige Klärung erbrachten, so waren sie doch für alle Erkenntnis fördernd – und obendrein mit Lachen erfüllt.

Oder wie es ein Teilnehmer sagte: „Es war wie immer nicht einfach, aber es war gut.“   
                                                                                                                                                AG

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