Leben und Denken reflektieren, interpretieren und diskutieren 24.11.2017
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Markus Melchers ist ein Philosoph für alle Fälle, Westerwälder Zeitung vom 18.05.2013

Kollektives Kopfzerbrechen im Neuen Galerie Café und Entscheidungshilfen auf dem Sofa

Von unserem Mitarbeiter Matthias Budde

Hachenburg. Ob beim Philosophischen Abend oder zu Hause auf der Couch – der studierte Philosoph Markus Melchers aus Bonn liefert „Sinn auf Rädern“. Philosophischer Praktiker gibt er als Berufsbezeichnung an. Er sucht die Schnittstellen zwischen philosophischer Wissenschaft und dem praktischen Leben. Melchers bietet Menschen in Krisen- oder Lebenswendezeiten Entscheidungshilfen an, indem er Erkenntnisse liefert. Die Kunden oder Gastgeber, wie Melchers sie nennt, erfahren, auf welche Weise verschiedene Philosophenschulen das anstehende Problem bereits gedanklich ausgeleuchtet haben; Denkprozesse kommen in Gang, neue Perspektiven tun sich auf, Lösungskompetenz wird gestärkt.

Bei den philosophischen Salons, die er veranstaltet, denkt er gemeinsam mit den Teilnehmern zwei Stunden lang über ein vorgegebenes Thema nach. Zum 16. Mal war das Neue-Galerié-Cafe in Hachenburg Schauplatz dieses kollektiven Kopfzerbrechens, diesmal zum Thema „Treue und Verrat“. Melchers hält keinen Vortrag, präsentiert kein vorgedachtes Denken. Mit drei kurzen, zum Teil provokanten Zitaten steigt er ins Thema ein, sammelt und moderiert die Beiträge der Teilnehmer und ordnet diese von Zeit zu Zeit zusammenfassend in philosophische Denkhorizonte ein. So entsteht allmählich ein methodisch strukturiertes Gewebe aus Fragen, Gedanken und philosophischer Information, getragen von Interesse, Klugheit und Spontaneität der Mitdenker.

Der Denkprozess ist ergebnisoffen und voller Überraschungen, die, auch den immer bestens vorbereiteten Melchers, häufig in Erstaunen versetzen. Im Vordergrund steht das aufeinander Bezug nehmende, philosophische Diskutieren. Dazu gehört auch, die eigene Meinung von einer philosophischen These unterscheiden zu können. Der philosophische Salon bietet keinen Raum für Selbstdarstellung. „Es hat sich eine Atmosphäre konzentrierter, auf freundlichem Umgang miteinander beruhender Gesprächskultur herausgebildet“, sagt auch Annesuse Ganseforth vom Galerie-Café.

Markus Melchers hat auch nicht die Macht des letzten Wortes. Mit zwei knackigen Zitaten schließt er pünktlich nach zwei Stunden den Salon. Zum Thema Treue nennt er Ambrose Bierce: „Treue ist die Tugend derer, die alsbald betrogen werden.“ Im philosophischen Salon hingegen geht es um die Suche nach Wahrheit, und die wird weitergehen.

      © Sinn auf Rädern/BelKom