Leben und Denken reflektieren, interpretieren und diskutieren 24.11.2017
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Kein Podium für Profilneurotiker, General-Anzeiger Bonn vom 20.04.2009
Markus Melchers lud wieder zum Philosophischen Café ein. Diesmal: Krise und Katastrophe

Von Bastian Hamacher
Weststadt. Krise oder Katastrophe, für manche ist das die Frage nach dem Huhn oder Ei. Sind sie dynamisch oder statisch, immer nur negativ konnotiert, und was sind überhaupt die Wortstämme? Antworten auf diese Fragen suchten am Freitagabend rund 70 Gäste des 128. Philosophischen Cafés in  der „Pauke“ unter der Leitung von Markus Melchers.

Zur Einleitung warf der philosophische Praktiker Melchers, der auch den Beratungsdienst  „Sinn auf Rädern“ betreibt, drei Zitate in den Ring: „Selten bricht eine Katastrophe herein, ohne ihre Vorboten voraus- zuschicken“ von Raymond Radiguet, „In der Krise beweist sich der Charakter“ von Helmut Schmidt und Et hätt noch immer jot jejange“ aus dem rheinischen Grundgesetz. Seine Einladung an die Gäste ist dabei so einfach wie wirkungsvoll: Philosophieren abseits der akademischen Wissenschaft in der Hoffnung, im Gespräch Antworten auf verschiedene Fragen des Lebens zu finden. Dabei ist eines besonders bemerkenswert: Der höfliche, fast vorsichtige Umgang der Gesprächspartner miteinander, die geordnete Redeliste und eine Sachlichkeit stellten einem erfrischenden Unterschied zum üblichen Debattierverhalten in manchen Medien dar. An die sonntäglichen Fernsehhahnenkämpfe für Profilneurotiker erinnerte an diesem Abend nichts.

„Ich verfolge kein didaktisches Ziel. Die Leute sollen von mir nichts lernen“, sagt Melchers, „sie sollen philosophieren und sich im Gespräch eine Antwort geben.“ Manchmal greift er dabei doch ein. Dann, wenn das Gespräch stockt oder in unphilosophische Bereiche abdriftet. Ein oder zwei weitre Zitate, eine kleine Erläuterung  zur Bedeutung der Katastrophe von Lissabon 1755 für die europäische Philosophiegeschichte, und die Diskussion entbrannte erneut.

Was bedeutet Krise, müssen Krisen sein, um daran zu wachsen, kann man ohne Krisen sein und war Helmut Schmidt überheblich, als er seinen Ausspruch tat?

Mit dem Ergebnis waren fast alle zufrieden. Kerstin Jaunich und Stefanie Kellner waren nicht zum ersten Mal dabei und sind immer noch begeistert: „Es ist angenehm, mal wieder über solche Themen reden zu können. Überhaupt kommen doch solch ernsthafte Gespräche heute viel zu selten vor“, fanden beide.  
 
      © Sinn auf Rädern/BelKom