Leben und Denken reflektieren, interpretieren und diskutieren 19.11.2017
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Die Rechte der Tiere, General-Anzeiger Bonn vom 24.04.2014
Kontroverse Diskussion beim 188. Philosophischen Café
Von Isabell Neise
Bonn. „Haben Tiere Rechte?“ – Darum ging es beim 188. philosophischen Café im Kulturbistro Pauke. Rund 30 Hobby-Denker waren gekommen, um die Fragestellung in offener Runde zu erörtern.

Es ist ruhig in der Pauke. Die Besucher warten auf den Beginn des Gesprächs. Markus Melchers, Moderator des philosophischen Cafés, nennt zum Einstieg drei Thesen von Schopenhauer, Diderot und Kaye. Ein Besucher bricht die Stille. Seine Feststellung „Tiere sind Sachen“, wie es früher im Brockhaus geheißen habe, widerlegt eine anderer Besucher. Tiere seien laut den Bürgerlichen Gesetzbuch keine Sachen, allerdings wie Sachen zu behandeln.

In der Runde führt dies zu Unverständnis. Melchers lenkt das Gespräch zurück zur Fragestellung. Mit seinem philosophischen Wissen füllt er die entstandenen Lücken mit Kontexten und versucht, den Gästen die Entstehung der Tierethik zu erläutern. Dazu führt er die Besucher in die Gedanken Kants und Descartes ein, für die Tiere lediglich Maschinen waren. Außerdem legt er Schopenhauers Ansicht dar, der die tierethische Fragestellung in der Philosophie polemisierte und als einer der Ersten darauf hinwies, dass Rechte im Empfinden von Leiden begründet sein müssten.

Den Hobby-Philosophen gefällt diese Ansicht. Ein Besucher treibt die Diskussion auf die Spitze. Er ruft laut: „Wir fressen Tiere.“ Und: „Der Mensch gehört aus dem Universum verbannt.“ Andere kontern: „Man kann dem Menschen nicht die Existenz abschreiben, nur weil er Tiere ist.“ Melchers bringt die Metapher Peter Sloterdijks in die Runde ein, die Menschen lebten in einem essbaren Zoo. Eine Besucherin bemerkt daraufhin, dass alle Lebewesen Rechte haben sollten. Andere Diskutanten fragen, ob dies bedeute, dass Eintagsfliegen und gefährliche Viren ebenso Rechte zugesprochen werden sollte.

Nach einem regen geistigen Austausch kamen die Teilnehmer zu dem ernüchternden, dass Tiere in Deutschland keine Rechte haben.      
      
 
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