Leben und Denken reflektieren, interpretieren und diskutieren 24.11.2017
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Der Stuntman für geistige Probleme; Westfälische Rundschau vom 10.02.und 11.02.2007
Der Stuntman für geistige Probleme; Westfälische Rundschau vom 10.02. und 11.02.2007

Zu Beginn eines neuen Jahres beschäftigen sich viele Menschen mit den Sinnfragen des Lebens. Für Markus Melchers - Beruf: Philosoph - haben solche Fragen ganzjährig Konjunktur. Mit seinem Service "Sinn auf Rädern" bietet er all jenen Hilfestellung, die nach einem neuen Ansatz suchen.

Von Barbara Allebrodt

Markus Melchers fällt auf durch seine angenehme Stimme. Eine Stimme, der man gern lauscht. Eine Stimme, die viel Ruhe ausstrahlt, von der man sich auch komplexe philosophische Theorien gerne erläutern lassen würde. Doch genau das will Melchers nicht. "Ich will kein Theorieautomat sein", sagt der studierte Philosoph. Gespräche auf Augenhöhe sucht er mit seinen "Gastgebern".

Wer sich zu einem Gespräch mit Markus Melchers entscheidet, kann den Philosophen zu sich nach Hause einladen. "Ich will geistige Nahrung frei Haus liefern." Darum kam ihm die Idee, seinen Service in Analogie zu "Essen auf Rädern" "Sinn auf Rädern", zu nennen. Seit kurzem bietet Melchers außerdem den Service "Denken Schenken" an. Wer auf der Suche nach einem ausgefallenen Geschenk ist, kann einen Gutschein für eine anregende philosophische Diskussion auf den Gabentisch legen.

In seiner Heimatstadt Bonn ist Melchers überwiegend mit dem Fahrrad unterwegs. Doch er bereist auch den Rest von Deutschland, kommt überall dort hin, wo Menschen sich ein anregendes Gespräch wünschen.
Menschen, aus allen Schichten der Bevölkerung. Melchers diskutiert mit ihnen Fragen, die sich aus dem Berufsleben ergeben ebenso wie Fragen aus dem ganz privaten Umfeld. Wie etwa die Mutter, die zu ihm kam und fragte: "Wann darf eine Mutter eigentlich sagen: Mir reicht es, ich will jetzt auch mal Zeit für mich haben?"
 
Längst waren die beiden Kinder der Frau jenseits der 30, als diese Frage sie plagte, und immer noch forderten sie die Hilfe und Unterstützung ihrer Mutter. "Die Frau wünschte sich ein wenig mehr Zeit für sich selbst, die Kinder machten ihr Vorwürfe, dass sie für sie dazusein habe", erzählt Melchers. Er setzte sich mit seiner Gesprächspartnerin hin, erörterte die Frage moralisch und machte die Frau mit dem philosophi-schen Leitsatz "Aus einem Sein lässt sich kein Sollen ableiten" vertraut.

75 Prozent der Kunden von "Sinn auf Rädern" sind Frauen, und auch die Frauen sind es, die eher dazu neigen, ein philosophisches Gespräch zu verschenken. Doch auch Männer suchen das Gespräch mit Melchers, der sich als "Stuntman"für geistige Probleme versteht. Ein Fall ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. "Ein Mann kam zu mir, der in seinem Beruf erfolgreich war, allerdings in einem Beruf, den er nur ergriffen hatte, um die Tradition des Vaters fortzusetzen", erzählt Melchers. "Nun, selber im mittleren Alter und Vater von erwachsenen Kindern, spielte der Mann mit dem Gedanken, noch einmal von vorne anzufangen. Ehefrau und Freunde waren entsetzt." Mit Melchers diskutierte der Mann die Frage: Was bedeutet eigentlich Freiheit?

Oft begegnen ihm Fragen, die sich den Menschen nach einer Scheidung oder Trennung stellen. "Bedeutet Scheidung Verrat? Verrate ich die Idee der Treue, verrate ich am Ende sogar mich selbst?" Doch es sind auch globale Dinge, die die Menschen an Melchers herantragen. "Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 bin ich häufig der Frage begegnet ,Habe ich jetzt das Böse gesehen´?"

Melchers hat keine maßgeschneiderten Ideallösungen parat, sondern lässt seine Gesprächspartner durch eigenes Nachdenken, eigene Beschäftigung mit der Materie selber zu ihren ganz eigenen Zielen und Entscheidungen kommen. Auch wenn es manchmal Antworten gibt, die ihm vorbehalten bleiben: "Es gibt Dinge, die nur von mir gesagt werden können." Dinge, die in der Situation für diesen Menschen so ungeheuerlich sind, dass nur ein Außenstehender sie aussprechen kann.

Dafür reist Melchers gerne durch Deutschland. Die Tarife sind dabei individuell auszuhandeln, schließlich soll die Philosophie für ihn keine "brotlose Kunst" bleiben.
      © Sinn auf Rädern/BelKom