Leben und Denken reflektieren, interpretieren und diskutieren 19.11.2017
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Philosophieren hilft im Alltag,Honnefer Sonntagszeitung vom 29.Juni 2003
Trotz bestem Wetter hatten sich am vergangenen Mittwoch etliche Honnefer dazu entschlossen, der "Philosophischen Praxis" Vorrang vor einem Abend im Biergarten zu geben. Jutta Mattes vom Förderverein der Stadtbücherei hatte Markus Melchers eingeladen, der in einem Vortrag mit anschließender lebhafter Diskussions- und Fragerunde über sein Dienstleistungsangebot, den "Sinn auf Rädern" berichtete.
Neu ist die Idee, die Philosophie zur Bewältigung von individuellen und konkreten Fragen der Lebensführung heranzuziehen zwar nicht, aber mit seinem Konzept des "ambulanten Philosophen" ist Markus Melchers aus Bonn inzwischen auch bundesweit bekannt und erfolgreich geworden. Der 40-jährige akademisch ausgebildete Philosoph kämpft gegen die zum Teil sicher berechtigten Vorwürfe, die Philosophie sei schwer verständlich, weltfremd und habe nichts mit unserer Alltagsbewältigung zu tun. Melchers will seine Gesprächspartner in Fragen der individuellen Lebensführung unterstützen, indem er sein philosophisches Wissen einbringt und oft völlig neue Denkansätze bei seinem Gegenüber auslöst. 
STRATEGIE DER STRATEGIELOSIGKEIT
Auf Anfrage besucht der ambulante Philosoph seine Kunden, um mit ihnen nicht nur über die großen theoretischen Probleme wie Gott, Geist oder Seele zu sprechen. Die meisten Gastgeber wollen über alltagsbezogene Fra-gen reden: Welche Bücher soll ich lesen? Welche Werte soll ich meinem Kind vermitteln? Ist Scheidung Verrat? Im Gespräch verfolgt Melchers die "Strategie der Strategielosigkeit", denn er hat keinerlei Mission zu erfüllen und auch keine Heilsbotschaft zu bringen. Deutlich grenzt er sich von jeder therapeutischen Tätigkeit ab: "Die Philosophie verspricht keine Heilung. Eine Grundvoraussetzung für das philosophische Gespräch ist die Gleichberechtigung und Freiwilligkeit der Gesprächspartner. Meine Leistung liegt darin, dass ich zu einer vernünftigen Selbstbeobachtung des Gastgebers beitragen kann, die wiederum das abstandnehmende Denken und schließlich die gewandelte Selbsterkenntnis fördert. Für den Fall, dass ein Ratsuchender sich nicht traut, bestimmte Gedanken auszusprechen, übernehme ich sozusagen als Stuntman diesen Teil.  Rund 75 Prozent seiner Kunden seien übrigens Frauen, sagt Melchers, und seine Erfahrungen widersprechen einem gängigen Vorurteil: "Frauen sprechen ziel- und lösungsorientiert, Frauen wollen nicht ablenken und schwätzen. Männer suchen dagegen, vor allem zu Beginn eines Gesprächs, das intellektuelle Muskelspiel und wollen zeigen, dass sie das, was ich kann, mindestens eben so gut oder besser könne."  SCHOE
      © Sinn auf Rädern/BelKom