Leben und Denken reflektieren, interpretieren und diskutieren 22.09.2017
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Ein ambulanter Philosoph in der Werkstatt des Lebens, Dürener Zeitung vom 25.08.2004
Markus Melchers diskutiert im Krankenhaus über „Vergebung, Verzeihung". Eine Veranstaltung der Hospizbewegung Düren.
Von unserer Mitarbeiterin Anne Koizlik
DÜREN. Das Congress-Zentrum des Krankenhauses Düren verwandelte sich in eine philosophische Werkstatt des Lebens: Auf Einladung der Hospizbewegung Düren führte der Bonner Philosoph Markus Melchers ein Gespräch mit über 30  Teilnehmern. Dabei ging es um das Thema „Vergebung, Verzeihung". Der Abend, bei dem sich der Moderator als Anreger und Berater verstand, vermittelte Wegweisung und Orientierung.
Am Anfang der Auseinandersetzungen standen drei Zitate: Der Preußenkönig Friedrich II. stellte fest: „Man muss verzeihen können. Das Leben des Menschen ist zu kurz, als dass er es mit Nachtragen und Rachsucht hinbringen könnte." Die französische Schriftstellerin Madame de Stael war der Meinung: „Alles verstehen, heißt alles verzeihen." Der deutsche Philosoph Schopenhauer schließlich hielt fest: „Vergeben und vergessen heißt, kostbare Erfahrungen zum Fenster herauswerfen."
Aufgrund dieser Vorgaben entwickelte sich ein intensives Gespräch, bei dem unterschiedliche Aspekte des Themas zur Sprache kamen. So wurde Verzeihen zum Beispiel als „Schwung nach vorn", als „Harmonie und Energie" und als „Prozess" beschrieben. Der Unnachgiebigkeit redete an diesem Abend keiner dis Wort.
Bald kristallisierten sich Schwerpunkte heraus: So wurde die besondere Bedeutung des Themas im Christentum hervorgehoben: Vergebung als Abbild der Versöhnung, die Gott dem sündigen Menschen gewährt. Demgegenüber stellte eine Teilnehmerin fest, dass sich der Atheist mit der Versöhnung schwer tue. Sie machte dies fest an einem Wort des existentialistischen Philosophen Sartre: „Die Hölle, das sind die anderen." Dem wurde einerseits widersprochen, andererseits aber wurde diese Aussage durch Reise-Erlebnisse aus dem atheistisch-kommunistischen China bestätigt.
Durch eindringliches Fragen regte der Philosoph das Nachdenken an: Verzeihen sei eine nicht einklagbare Gabe und ein „Wiederanerkennen der Person", wurde festgehalten. Eine Teilnehmerin betonte die Wichtigkeit des Verzeihens für Sterbende: So könne der Mensch, der loslasse, in Frieden davongehen.
Der Abend stand in der Tradition abendländischen Denkens: Durch Fragen im Sinne des antiken Philosophen Sokrates wurde eine Gespräch in Gang gesetzt. Der Moderator bezeichnete sich als „ambulanter Philosoph". Das Bonner Institut, das er begründet hat, trägt den Namen „Sinn auf Rädern".
 
      © Sinn auf Rädern/BelKom