Leben und Denken reflektieren, interpretieren und diskutieren 17.07.2019
   Start | Praxis | Pressespiegel | Bücher | Referenzen | Links | Impressum |

  

-› Seite Drucken  

Philosophisches Café: Musik als Sprache der Seele; BONNER RUNDSCHAU vom 23.10.2001
Bonn. Denken ist meist Nachdenken, denn aus Schaden wird man klug. Der Endenicher Herbst hatte seine Vordenker:
Zum Auftakt veranstaltete der Philosoph Markus Melchers unter dem Motto "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum" ein philosophisches Café-Gespräch. im Kultur-Bistro "Pauke".
Als musikalischer Experte war Dietmar Krents, Hornist des Orchesters der Beethovenhalle, gewonnen worden, der dem Gespräch ein kleines Solostück von Bernard Grohl vorausschickte.

Zwischen Berieselung und Eigenständigkeit

An seinem Hinweis, der Komponist verwende zum Ende das "Credo in unum Deo" entzündete sich dann eine muntere und vielfältige Diskussion: Ob man Musik heutzutage noch als unmittelbare Seelensprache auffassen könne, wieweit sie Teil und Kennzeichen eines Lebensstils sei, wieweit Konstruktion und Emotion einander bedingten. Das wurde genauso angesprochen, wie die Facetten des Begriffs "Ton", der Unterschied zwischen Musikberieselung und eigenständigem Musizieren.
Oder Berufsmusiker Krentz bestätigte auf Nachfrage von Melchers, dass er im Live-Konzert anders musiziere als bei einer CD-Aufnahme oder er versuchte zu beschreiben, was für ihn eine Bruckner-Symphonie ist. Wie schwer es ist, die Tiefenwirkung von musik zu greifen, geschweige denn zu begründen wurde hier recht deutlich. Einen philosophischen Beschreibungsversuch, "das Anrühren meiner innersten Subjektivität", lieferte frei nach Hegel wieder Melchers.

Der Abend verlief auch ohne den seit der Antike als "Zungenlöser" der Philosophie so beliebten Wein - in der Begegnungsstätte Pauke gibt es keinen Alkohol - sehr angeregt, und Markus Melchers und seine Gäste gingen auch nach diesem 39. philosophischen Café zufrieden nach Hause.
Von Niels Rühle
      © Sinn auf Rädern/BelKom